Der Charakter Faust in der gleichnamigen Tragödie von Johann Wolfgang Goethe, veröffentlicht im Jahre 1808, hat eine auffallend komplexe Persönlichkeit. Jene definiert sich zentral aus den Entscheidungen und Taten von Faust im Laufe der Tragödie. Diese entwickeln sich aus seinen unterschiedlichen Charakterzügen.
Betrachtet man die charakterlichen Eigenarten aus psychologischer Sicht, lässt sich annehmen das Faust eine dual gespaltene Persönlichkeit hat. Die Entscheidungen und Taten von Faust spiegeln göttliche oder mephistophelische Charakterzüge wider. Dies leitet zur Hypothese, dass die Persönlichkeit von Faust dual gespalten ist in eine göttliche und mephistophelische Seite.
Wie sich diese Seiten darstellen, wird dem Leser bereits vor dem ersten Treffen mit Faust gezeigt. Im Prolog offenbaren Gott und Mephistopheles ihre Charakterzüge. Gott sieht sich als „übermenschlich“. Er hat bereits geschafft, was seine Schöpfung, der Mensch erst noch schaffen soll. Er ist allwissend und stellt die letzte Form der Entwicklung dar. Das Streben, diese Entwicklung zu erreichen, wünscht er sich für die Menschen. Zudem ist Gott transzendental. Dies bedeutet, nicht erreichbar für den Menschen zu sein. Er steht für das moralische Gute und für die Überwindung der niederen, tierischen Triebe.
Mephistopheles dagegen verneint das ideal Bild, das Gott von den Menschen hat, und kritisiert diese. Mephistopheles ist eine zerstörerische Persönlichkeit, die dem Streben der Menschen ein Ende bereiten möchte. Dies will er erreichen, indem er die Menschen verführt und zu triebgesteuerten Wesen macht, gemäß seinem eigenen Wesen.
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